Wie spreche ich mit meinem Kind über den Tod?

“Papa, wieso bewegt sich die Biene nicht mehr?” Lotte*, 4 Jahre alt, ist in die Hocke gegangen und schubbst eine starre Biene vorsichtig hin und her. “Schläft die?”, fragt sie ihren Vater. Sie befinden sich gerade auf dem Weg zum Kindergarten und David hat es eilig, da er zur Arbeit muss und schon ein bisschen spät dran war. Er überlegt kurz, sagt “ja, die schläft noch, weil die Sonne noch nicht draußen ist” und zieht seine Tochter weiter, die sich mit der Erklärung zufrieden gibt.

Zwei Tage später telefonieren wir und erzählt mir von der Situation. Er fühlt sich schuldig, weil er gelogen hatte, war aber nicht auf so eine tiefgehende Grundsatzdiskussion eingestellt. Er fragt mich: “Wie erkläre ich ihr den Tod?”, und ich sage: “Es gibt kein Geheimrezept und keinen 10-Punkte-Plan, da das etwas sehr Persönliches ist”. Deshalb sage ich gleich: Das ist weder eine Anleitung, noch allgemeingültig. Dennoch gibt es aber ein paar kleine Hilfestellungen und Impulse, die ich euch hier gern auf den Weg geben kann.

Der richtige Moment

Wann spreche ich mit meinem Kind über den Tod?

Eins vorweg: Als Eltern hat man in der Regel eher selten die Entscheidungsgewalt darüber, wann man welche Themen bespricht. Man kann ganz arglos mit seinem Kind U-Bahn fahren, bis es sich plötzlich zu einem dreht und (für uns) aus dem Nichts heraus fragt: “Mama, was ist Sex?”

Ähnlich verhält es sich mit dem Sprechen über Tod und Sterben. Es kann passieren, dass euer Kind auf einmal durch Beobachtungen und Entdeckungen in der Natur mit dem Thema Sterblichkeit konfrontiert wird. Es kann aber auch sein, dass ein präventives und von euch initiiertes Gespräch nötig ist, weil zum Beispiel der Opa im Krankenhaus liegt und es wahrscheinlich ist, dass er bald stirbt. Hier ist es wichtig, die richtige Gesprächssituation zu schaffen, beziehungsweise zu prüfen: Ist jetzt der richtige Moment?, wenn das Kind das Thema selbst zur Sprache bringt.

Es ist nicht gut, das Gespräch dann auf einen unklaren Zeitpunkt zu verschieben, wenn es gerade nicht passt. Notlügen wie im Falle von David und Lotte können da schon mal durchaus legitim sein. In anderen Situationen ist es aber besser, dem Kind zu erklären, dass gerade wenig Zeit ist, aber man heute Abend darüber sprechen wird – also einen konkreten Zeitpunkt nennt. Das ist wichtig, damit sich euer Kind einerseits in seinen Themen und Gefühlen erstgenommen fühlt, andererseits vermeidet ihr dadurch den Eindruck, dass der Tod so etwas Schlimmes ist, dass ihr sogar als Eltern Angst habt, darüber zu sprechen.

Beim Sprechen über den Tod geht es darum, Vertrauen zu schaffen, Ängste zu nehmen und das Kind zu beruhigen.

“Muss ich auch sterben?”

Vermeidet es Antworten zu geben, die Ängste noch verstärken

Niemand kennt euer Kind so gut wie ihr, das bedeutet, dass ihr am besten einschätzen könnt, was es verkraftet und was vielleicht noch zu viel ist. Das alles hängt unter anderem vom Alter des Kindes ab, von der Persönlichkeit, der Situation, dem Umfeld und auch von der Gefühlslage von euch und dem Kind in diesem Moment.

Wichtig ist es, als Gesprächsziel das Abmildern von Ängsten zu setzen. Das Kind sollte hinterher nicht aus der Situation gehen und das Gefühl haben, dass es selbst oder die Familie jederzeit in Gefahr ist, zu sterben. Das bedeutet, dass man das Gespräch eher nicht mit Sätzen wie “alle Menschen müssen sterben” führt, weil solch eine absolute und endgültige Aussage für ein Kind sehr schrecklich sein kann.

Ihr könnt zum Beispiel erklären, dass man meistens erst stirbt, wenn man ganz alt ist. Dass manchmal auch junge Menschen bei Unfällen oder durch Krankheiten sterben, das aber ganz ganz selten ist und das Kind keine Angst haben muss, dass ihm oder einem nahen Angehörigen so etwas passiert. Erklärt dem Kind, dass ihr euch sehr gesund fühlt und das Kind auch sehr gesund ist und sich deshalb nicht fürchten muss. Das trifft natürlich nur zu, wenn keine schlimmen Krankheiten aktuell und akut sind, wenn die Mama zum Beispiel Krebs hat, ist ein ganz anderes Gespräch fällig, was ich hier erst einmal ausklammere.

Wählt eine klare und unaufgeregte Sprache

Vermeidet Metaphern und Umschreibungen

Das bedeutet nicht, dass ihr lügen oder euch in Umschreibungen verlieren solltet. Gerade Letztere sind besonders für kleine Kinder ein Problem, da sie Metaphern noch nicht auflösen können und wörtlich nehmen. Wenn ihr also erzählt, dass Opa Heinrich “auf seine letzte Reise” geht, kann es sein, dass ihr bei den nächsten Urlaubsvorbereitungen ein komplett eskalierendes Kind habt, weil es denkt, dass ihr jetzt alle sterben werdet.

Sprecht ganz klar darüber, was passiert. Dass Tote vielleicht aussehen, als würden sie schlafen, es aber nicht tun. Dass man dann keinen Herzschlag mehr hat. Dass nicht mehr geatmet wird und man sich nicht mehr bewegt, auch dann nicht, wenn man angestupst wird. Das kann man zum Beispiel an einem gefundenen toten Tier ganz gut demonstrieren. Wichtig ist auch, dass das Kind alle Fragen stellen kann, die es stellen möchte. Fragt auch immer wieder, ob es mit der Antwort zufrieden ist, ob es das verstanden hat und wie es ihm dabei jetzt geht.

“Wie fühlt es sich an, tot zu sein?”

Seid ehrlich

Wenn das Kind Fragen stellt, die ihr nicht beantworten könnt, erfindet nichts dazu. Es ist kein Problem zuzugeben, dass man bestimmte Dinge nicht weiß – es ist sowieso wichtig für das Kind zu lernen, dass eben Eltern auch manchmal keine Antwort haben. Ihr könnt sagen “ich weiß nicht, wie es ist, tot zu sein, da noch niemand wieder lebendig geworden ist, um davon zu erzählen. Aber ich glaube, dass sich das nicht schlimm anfühlt.” Macht immer klar: “Das ist das, was ich denke. Andere denken vielleicht anders darüber”, vor allem, wenn ihr gläubig seid und das Kind ebenfalls in eurem Glauben erzieht.

Gebt zu, dass ihr zum Beispiel nicht wisst, wie es sich anfühlt, zu sterben. Sagt nicht einfach “das fühlt sich an wie einschlafen”, sonst kann es sein, dass euer Kind plötzlich Einschlafängste entwickelt weil es fürchtet, dabei zu sterben. Kurz und knapp: Seid ehrlich und begegnet dem Kind auf Augenhöhe, formuliert aber so, dass die Aussagen beruhigend und altersgerecht sind.

Grob kann man das Verständnis vom Tod so einteilen:

  • Bis 3 Jahre: Tot sein ist für das Kind dasselbe, wie einfach nicht da sein
  • Zwischen 3 und 6 Jahren: Der Tod wird als vorübergehend und reversibel wahrgenommen
  • Zwischen 6 und 9 Jahren: Die Kinder verstehen, dass der Tod endgültig ist. Sie denken an Personifikationen wie den “Sensenmann” und sehen das Sterben oft als eine Art Strafe
  • Zwischen 10 und 14 Jahren: Die Todesvorstellung der Kinder ist realitätsnah, sie denken über Themen wie ein mögliches Leben nach dem Tod oder dem Lebenssinn nach

Opa ist tot – und jetzt?

Schließt das Kind bitte nicht von der Trauer aus

Ich werde oft gefragt, wie ich zu Kindern auf Beerdigungen stehe. Ich finde es wichtig, dem Kind die Wahl zu lassen, ob es zur Beerdigung mit möchte oder nicht. Erklärt ihm, was dabei passiert, dass das ein Ritual ist, um sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden. Ihr könnt euch zum Beispiel überlegen, ob es etwas mit ins Grab legen möchte oder euch gemeinsam ein anderes Ritual suchen, damit das Kind den ganz eigenen Weg des Abschieds findet. Es einfach pauschal von der Teilnahme auszuschließen kann dazu führen, dass es den Tod der nahestehenden Person nicht richtig verarbeiten kann und traumatisiert wird. Genau so wichtig ist es, das Kind nicht zur Teilnahme zu zwingen, wenn es nicht möchte.

Hilfestellungen

Bücher und Filme können helfen, das Thema zu überblicken

Um das Thema einzuleiten oder zu unterstützen, könnt ihr mit dem Kind ein Buch lesen oder einen Film schauen. Ich liste euch hier mal meine Favoriten auf, vielleicht ist ja für euch etwas dabei:

  • “Ente, Tod und Tulpe.” von Wolf Erlbruch (4-6 Jahre)
  • “Der Besuch vom kleinen Tod” von Kitty Crowther (ab 5 Jahren)
  • “Der Baum der Erinnerung” von Britta Teckentrup (ab 4 Jahren)
  • “Leb wohl, lieber Dachs” von Susan Varley (4-6 Jahre)
  • “Opas Reise zu den Sternen: Ein Kinderbuch zu Tod und Trauer” von Anja Kieffer & Katja Pagel (5-10 Jahre)
  • “Kommt Papa Gleich Wieder?: Ein für Kindergarten- und Grundschulkinder verständliches Buch über den plötzlichen Tod eines geliebten Menschen.” von Elke & Alex Barber (ab 12 Monate)

Das wunderschöne Buch “Ente, Tod und Tulpe” wurde sogar verfilmt:

(Erst beim Klicken auf “Play” werden ggf. personenbezogene Daten an Youtube übermittelt.)

Ich hoffe, dass ein paar der erwähnten Punkte hilfreich sind. So oder so gilt es: Der Tod ist eine verdammt persönliche Angelegenheit, und genau so verhält es sich mit dem Sprechen darüber. Jede Familie findet ihren ganz eigenen Umgang damit, es gibt tausende Ansätze und alle haben ihre ganz eigene Wirkung und Berechtigung :).

Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen mit Gesprächen mit Kindern über den Tod in den Kommentaren teilt! 🙂

PS: In diesem (englischsprachigen) TEDx-Talk spricht Elke Barber davon, wie ihr Mann mit dem damals 3jährigen Alex allein war, als er starb. Und wie sie ihrem Sohn dann versuchte klarzumachen, dass Papa wirklich nicht wiederkommt: anschauen >>

*Lotte heißt eigentlich anders, aber da sie ein Kind ist, möchte ich ihren richtigen Namen nicht nennen.


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21 Kommentare

  1. Ich habe tatsächlich ebenfalls Angst davor. Mein Sohn ist erst 8 Monate alt, aber die Fragen werden kommen. Danke für den Bücher-Input! Ich habe auch gerade den TED Talk gesehen und musste weinen. Was für eine starke Frau!

    Ganz liebe Grüße!
    Eine begeisterte Leserin deines Blogs und Newsletters

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  2. Huhu,

    zu diesem Thema möchte ich euch mein “Todesgespräch” mit dem damals 5-Jährigem aufschreiben.

    Aufgrund einer netten Erzieherin glaubte mein Kind Tote könnten von Lärm wieder aufstehen, KiTa ist gleich neben dem Hauptfriedhof und da sind sie mal spazieren gegangen, laut und fröhlich, wie das nur Kinder können, bis der Satz kam: Seid mal leise, ihr weckt ja die Toten auf!

    Natürlich wurde ich am Abend gefragt ob das wirklich geht und wie das überhaupt mit dem tot sein ist. Ich hielt mich kurz und knapp an die Sachinformationen.

    Ein paar Tage später sahen wir einen toten Jungvogel auf dem Gehweg liegen, ich hob ihn auf und legt ihn unter einen schönen Baum, mein Sohn sagte: Oh weh, da wird seine Mama jetzt aber traurig sein. Das ist aber ein schöner Ort wo der kleine nun liegt, hier kann seine Mama herkommen und an ihn denken.

    Und das war so traurig und wunderschön zu gleich. Ich nehme an er hat es verstanden wie das ist mit dem Tot sein, man ist dann nicht mehr da und kommt auch nie wieder. Aber man kann an den Toten denken so oft man möchte und dann fühlt man sich trotzdem verbunden.

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  3. Auch wenn es zunächst absurd erscheinen mag, ich kann zum Thema die Stand-Up-Comedian-Show “Annihilation” von Patton Oswalt, die derzeit auf Netflix zu sehen ist, empfehlen. Es ist eine der ersten Shows nach dem frühen Tode seiner Frau. In der zweiten Showhälfte wird es sehr persönlich und er schildert, wie er es seiner Tochter erklären musste. https://www.netflix.com/de/title/80177406

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  4. Leb wohl lieber Fachs wurde auch verfilmt und ist bei der Sendung mit der Maus zu finden

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  5. bei meiner Großen (zu dem Zeitpunkt etwas älter als drei Jahre) fing leider meine Schwiegermutter (wohl beim Bilder gucken) mit der Geschichte “diejenige ist jetzt im Himmel” an. “Leider” weil das meiner Auffassung so gar nicht echtspricht…
    Unter anderem war dann das Resultat davon dass meine Tochter dann wissen wollte ob die Oma jetzt mit dem Flugzeug fliegt, als diese auf eine Beerdigung ging (wobei ich den Gedankengang beeindruckend fand 🙂 )

    Dennoch habe ich meiner Tochter versucht zu vermitteln, dass niemand genau weiß, was nach dem Tod passiert und verschiedene Menschen eben unterschiedliche Vorstellungen davon haben.

    Resultierend aus dem Tod und Verbleib einer unserer Katzen habe ich ihr die Wahrheit gesagt: dass die Katze im Garten begraben ist. Schwuppdiwupp waren wir dabei gelandet, dass wir auch über die Vorstellung einer Seele gesprochen haben.

    Schlussendlich bin ich nicht ganz glücklich über die Flut an Informationen für meine Tochter, das war glaube ich nicht so ganz altersgerecht, anderseits hätte ich es mit mir so gar nicht vereinbaren können es bei der Himmel-Vorstellung ohne den Zusatz verschiedener Auffassungen zu dem Thema zu belassen.

    Und den Part mit dem begraben und dass aus Mensch/Tier irgendwann wieder Erde wird finde ich auch für das Alter durchaus schon vertretbar.

    Etwas wirr geschrieben meinerseits (mea culpa), aber so ziemlich die Quintessenz eines mehrwöchigen Prozesses – der aktuell mit vier gerade in Form von “Mama oder Papa sterben irgendwann und dann vermisse ich sie so dolle” wieder aufflammt…

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    1. Danke fürs Teilen deines Erlebnisses! 🙂 Es ist ja so, dass nur wir diese ganze emotionale Komponente mit dem Tod in Verbindung bringen. Wir sind erwachsen und haben schon viel erlebt und wissen auch, dass sich der Tod für die, die zurückbleiben, traurig anfühlt. Diese emotionale Verbindung haben Kinder in einem gewissen alter ja aber noch nicht dazu. Für die ist die Frage “wieviele Beine haben Tausendfüßer” und “wie fühlt es sich an wenn man tot ist” gleichwertig sind. Sie sind erst einmal an Fakten interessiert und es ist gut, dass du die “angeforderten” Informationen ( 😉 ) erstmal zur Verfügung stellst. Das Einordnen könnt ihr dann ja nach und nach machen, aber das mit der Erde fand ich als Kind zum Beispiel eine sehr faszinierende und befriedigende Antwort. Dabei kann man gleich den Kreislauf des Lebens erklären, sodass sich das alles nicht so düster und endgültig anfühlt, sondern gezeigt wird: Das Leben ist eben ein Kreislauf, wie beim König der Löwen 😉 Fand ich damals übrigens einen super Film zum Thema, auch, wenn das auf den ersten Blick gar nicht so wirkt. Liebe Grüße!

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  6. wie die Eltern so die Kinder:sind Eltern ungläubig, damit meine ich, haben sie keinen Bezug zu Gott durch die Bibel, können sie ehrlicherweise nur die schwierigste Antwort geben, daß alles wieder zu Erde wird. Wie gut haben es Christen, die die beste Botschaft haben und um die Auferstehung wissen.Nach Jesaja werden auch die Tiere neu werden in dem neuen Paradies.Ich habe meinem 5j Sohn gesagt:”Opa ist jetzt im Vorparadies und schläft ohne Schmerzen!”Er hat dann liebevoll die Kränze und Bänder geordnet, es war Dezember, er konnte dann die Trauer sehr gut überwinden und so war das Thema Tod nie mehr Angstbesetzt bis heute.

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  7. Vielen lieben Dank für den Artikel und die Verlinkung zu dem TED Talk mit Elke Barber.
    Bei unserer 3 Jährigen kommt auch gerade das Thema auf, da sie nun mitbekommt, dass andere Kinder 2 Omas und 2 Opas haben, sie aber nur eine Oma und einen Opa hat. Nun fragt sie sich langsam warum das so ist und ich bin den Fragen bisher ausgewichen um sich nicht zu ängstigen. Für mich ist es eine hilfreiche Erkenntnis, dass ich selbst die emotionale Komponente mit dem Tod in Verbindung bringe und ich meiner Tochter das Thema angstfrei erklären kann wenn ich es schaffe diese Komponente “herauszufiltern” und ehrliche altersgerechte Worte finde. Danke für diesen Input.

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  8. Mein Vater ist vor 6 Monaten nach 1Jahr Krebs verstorben. Meine Kinder 5 und 7, waren bis auf die letzte Stunden immer dabei. Sie fragten auch: Hast du Angst vor dem Tod? Manchmal war die Antwort ein ja, weil…dann nein, weil…..Es war immer ehrlich und stimmte in diesem Moment.Wir weinten und lachten viel zusammen, feierten ein letztes Mal den Herbst, den ersten Schnee…und sprachen mit meinem Vater wie es sein wird, ohne ihn zu sein, wieviel Wut, Trauer, aber auch Dankbarkeit wir alle spürten.
    Eigentlich wollte mein Vater nicht, dass die Kinder ihn bis zu letzt sehen, aber wann sollte der Moment sein, wo es ein letztes Mal sein wird? Wir merkten, dass wenn wir ehrlich miteinander waren und sind, die Kinder gut zurecht kommen. Und so erlebten meine Kinder das Sterben meines Vaters. Er war mitten unter uns, sie sahen wie er weniger wurde, kraulten ihm den Rücken, hielten seine Hand, reichten ihm zu Trinken…..
    Sie erhielten beide ein Abschiedsgeschenk von ihrem Opa und zu seiner Beerdigung legten wir gemalte Bilder ins Grab und liesen welche mit Luftballon steigen: Für seinen Körper/ Hülle und für den Geist/ Seele/ Gedanken…..In den letzten Stunden vor seinem Tod, meinten meine kids, dass der Opa das meiste an Hülle sei und sonst fast leer….Daher auch die Idee Bilder für den Körper und für den Geist zu malen….
    Mein Vater starb an seinem 60. Geburtstag kurz vor Weihnachten. Er hat uns allen das Sterben gelehrt. Auch seinen Enkeln…Mutig, ehrlich, offen und sehr stark. Es ist kein leichter Weg,und doch kann ich sagen, dass er meine Kinder gestärkt hat:” Wenn ich mal sterben muß, hab ich keine Angst. Opa wartet auf mich und reicht mir wieder die Hand!”
    Ein schönes Bild. Danke Papa!

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  9. Danke für den Hilfreichen Text! Ich bin dreifache Mama und Erzieherin und stand gerade in meinem Beruf dem Thema schon oft gegenüber. Wenn ein Kind mich fragt, was nach dem Tod passiert, ist meine Antwort immer zuerst “Was denkst du denn?” Oft überlegen die Kinder dann lange und intensiv bis die unterschiedlichsten Antworten kommen. Ich selbst bin Atheistin, glaube aber nicht das nach dem Tod Alles zu Ende ist. Kinder machen sich oft ihre eigenen Gedanken, je nach Alter hört man aber auch Aussagen der Eltern heraus.

    Vor kurzem erst hatte ich eine schöne Situation mit meiner mittleren Tochter (4 Jahre): Auf der Terrasse lag ein toter Schmetterling. Sie wollte ihm einen schönen Platz suchen und fand eine Ecke im Garten. Dort legte sie den Schmetterling hin. Nach einer Weile lief sie rein, holte einen Becher und füllte ihn mit Wasser. Den stellte sie neben den Schmetterling. Ich habe sie gefragt was sie da macht “Der Schmetterling hat Durst! Ich geb ihm was zu trinken!” “Der Schmetterling ist tot, mein Schatz…er braucht nichts mehr zu trinken!” “Das weiß ich Mama…aber der Schmetterling der ihn abholt mag was trinken!” Als ich mit ihr hin kam das tatsächlich ein zweiter Schmetterling neben dem toten im Gras. Und sie war überzeugt das er den toten Schmetterling mit nimmt.

    Zum Thema Beerdigung: Als ich 14 war starb mein Bruder (17 Jahre) sehr plötzlich. Kurz darauf musste ich ins Krankenhaus weil zu dem Zeitpunkt noch niemand wusste woran er gestorben War und ich eine Bronchitis bekommen hatte. Zur Sicherheit musste ich im Krankenhaus bleiben. In dieser Woche wurde die Obduktion abgeschlossen und kurz darauf wurde er beerdigt. Ich konnte nicht dabei sein. Am Abend vor der Beerdigung habe ich im Krankenhaus “Alle Hunde kommen in den Himmel” geschaut und geweint. Bis heute habe ich das Gefühl das ich mich nie richtig von ihm verabschieden konnte. Ich weiß das meine Eltern Froh waren das ich nicht dabei sein konnte, verständlich denn sie hatten genug mit sich zu tun. Dennoch hätte ich mir gewünscht dabei zu sein.

    Ich hoffe sehr ich kann meinen Kindern diesen Weg noch lange ersparen…und ich hoffe wenn der tot gegenwärtig ist das sie die Wahl haben werden ob sie an der Beerdigung teilnehmen können.

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  10. Mein Mann und Papa meiner Kinder (da fast 5 und 7 Jahre alt) ist letztes Jahr ganz plötzlich gestorben. Eine der wichtigsten Botschaften an meine Kinder war: Ihr dürft alles fragen! (Eine andere war: Das Leben geht weiter!) Ich musste beim Thema “Verwesung” und wie das genau vor sich geht, passen. Aber das ist ja auch O.K., etwas nicht zu wissen. Und die Wahrheit fand ich nie schlimm. Schlimm wären für mich die unausgesprochenen Gedanken gewesen. Die Vorstellungen, die in einem Kinderkopf eine eigene Dynamik entwickeln und dann erst schlimm sind, weil das Kind sich alleine damit rumschlagen muss. Dem großen Kind hat “Wie ist das mit der Trauer” von Roland Kachler sehr geholfen. Das haben wir geschenkt bekommen. Es ist zum einen recht sachlich und hat aber auch Beispielgeschichten. Für das kleine Kind war dieses Buch aber bisweilen etwas zu viel. Mut zur Ehrlichkeit möchte ich machen. Es ist unendlich traurig, keinen Papa und Ehemann mehr in der Familie zu haben. Aber es lässt sich nicht ändern und wir dürfen alle drei weiterleben und wir dürfen lachen und uns freuen. Und traurig sein, wenn uns danach ist.

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    1. Hallo! Es tut mir wirklich leid, dass eure Familie den Papa verloren hat. Umso schöner, dass du einen guten Weg gefunden hast, wie ihr euch alle in der Trauer nah sein könnt. Alles Liebe weiterhin!

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