#5Fragen an: Juna Grossmann

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Dieses Mal war die jüdische Bloggerin und Museums-Enthusiastin Juna Grossmann so lieb, mir fünf Fragen zum Leben und Sterben zu beantworten. Auf ihrem eigenen Blog “irgendwie jüdisch” schreibt sie über das Leben als liberale Jüdin in Deutschland, über Ausstellungen und das schwere Leben in der DDR, in der sie damals aufwuchs.

Was bedeutet Glück für dich?

Glück ist ein großes Wort. Glück kann der Sonnenstrahl auf dem Gesicht sein, das Zwitschern der Vögel, die bestandene Prüfung, die Gegenwart eines geliebten Menschen. Strebe ich nach Glück? Oder versuche ich nur, es in den kleinen Dingen zu sehen, nicht nach etwas womöglich Unerreichbarem zu suchen, sondern jeden Tag neu, im Hier und Jetzt.

Was ist für dich ein “guter Tod”?

Wenn er still da ist. Wenn ich nicht an Maschinen angeschlossen darum kämpfen muss, sterben zu dürfen und vor allem, wenn ich selbst denke, dass es Zeit ist. Nur wann ist es Zeit?

Glaubst du an Gott?

Was für eine Frage. Wenn ich jetzt sage ja, dann denken Menschen an diese weißhaarige Person, denken, dass ich damit nicht an Evolution und Urknall glaube, dass ich wortwörtlich glaube, was in heiligen Büchern steht. Doch ich glaube an eine Kraft, die all das zusammenfügte, die Atome. Manche mögen sie so nennen, manche nicht. Ich finde nicht, dass das eine das andere ausschließen muss. Also ja, ich glaube an eine Kraft, die die Dinge geschaffen hat, ich glaube allerdings nicht an jemanden, der über unser Leben und Sterben bestimmt.

Hast du mehr Angst vor deinem eigenen Tod oder vor dem Tod deiner Freunde/Partner?

Der Tod begleitet mich, seit ich ein Kind war. Meine beste Freundin starb kurz vor meinem zehnten Geburtstag. Ich weiß und wusste, dass es ihr besser ging ohne dieses Leben. Menschen sind viel zu früh gegangen, Menschen, die ihr Leben gelebt haben, die es noch nicht leben wollten, Menschen, die dagegen ankämpften und Menschen, die gehen wollten. All das gehört zum Leben. Ich vermisse diese Menschen und weiß gleichzeitig, sie sind bei mir. Sie haben mein Leben auf die eine oder andere Weise beeinflusst, ohne sie wäre ich eine andere als ich es bin. Und ich bin dankbar dafür. Die Leere, die bleibt, sie ist da, sie kann nicht gefüllt werden, aber dennoch bleibt auch dieses Geschenk. Irgendwie hilft mir das über die Trauer hinweg.

Wie sähe deine Beerdigung aus?

Ich weiß es nicht. Rituell vermutlich ein einfaches jüdisches Begräbnis. Ich schätze das sehr. Keinen Pomp. Vielleicht auch einfach nur in einem stillen Wald, auf einem Meer. Beerdigungen sind letztlich für die, die bleiben, nicht für die, die gingen. Sie können ein wunderbarer Abschied sein, ein Schritt auf dem Weg zur Heilung.

 

Foto: Ralf Steeg


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Über die Autorin

Jasmin Schreiber

Hallo, mein Name ist Jasmin und ich bin Autorin, Illustratorin und Journalistin in Berlin. Früher war ich mal Biologin und bin immer schon fasziniert von den Themen Tod & Sterben. Mittlerweile arbeite ich ehrenamtlich als Fotografin für Sternenkinder und als Sterbebegleiterin und möchte das Tabuthema "Tod" für eine breitere Öffentlichkeit zugänglicher machen!

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