Gerda stirbt.

G

“Wissen Sie, wann mich vor Ihnen zuletzt jemand mit Vornamen angesprochen hat?” – “Wann?” – “Das war vor sechs Wochen. Als ich beim Röntgen war. Die Schwester dort hat mich ‘Gerda’ genannt, das war sehr nett.”

Ihre Augen sehen aus wie das Meer an einem stürmischen Tag, an dem die Wellen weiß verwaschene Schaumkronen auf ihren Spitzen balancieren. Nass sehen diese Augen aus, und müde. Immer ist Gerda so unendlich müde.

“Aber Ihre Familie spricht doch mit Ihnen.”, erwidere ich. Ich sitze an ihrem Bett und wir spielen Karten, zumindest versuchen wir es. Sie kann die Karten kaum erkennen und ich verstehe die Regeln nicht. Wir könnten auch zwei Protagonistinnen in einem Loriot-Sketch sein. “Ja, ja, schon. Die nennen mich jedoch immer Oma oder Mama, aber Gerda… von den Leuten, die mich so nannten, ist niemand mehr da. Ich bin ein Dinosaurier. Sie hätten jetzt melden müssen”, korrigiert sie meinen Spielzug.

“Schauen Sie mir bitte beim Sterben zu.”

Gerda stirbt, deshalb bin ich hier. Ihre Familie hat mich kontaktiert. Sie hatten Gerda einen Artikel von mir vorgelesen und die alte Frau bat sie, mir zu schreiben und mich einzuladen. “Schauen Sie mir bitte beim Sterben zu”, sagte sie mir direkt am Anfang, “da können Sie was lernen.”

Und jetzt sitze ich hier und wir spielen Canasta. Ihre Finger sind dünn und knotig, die Haut hängt wie Seidenpapier an den Knochen. “Fassen Sie mal an”, sagt sie mir. Ich nehme ihre Hand in meine und streiche über die Haut, die sich anfühlt wie dünnes Papier. Ihre Gelenke sind geschwollen, meist hält sie die Hände wie die Klauen eines Greifvogels. Als wolle sie jeden Moment etwas packen, meine Nase, mein Hirn, mein Herz, vielleicht alles zusammen, aber das gehört so. Gerda packt mich von innen und ich lasse es geschehen.

“Wenn ich tot bin, wird meine Tochter mich waschen. Das habe ich schon bei meiner Mutter so gemacht. Sie wird mich waschen und anziehen und dann werde ich eine Nacht hier im Haus liegen. Macht heutzutage kaum noch jemand, wir aber schon. Ich bin schließlich immer noch ihre Mutter, auch, wenn ich tot bin. Und um seine Mutter kümmert man sich. Außerdem müssen wir voneinander Abschied nehmen, das Haus und ich. Das Haus muss sich dran gewöhnen, dass ich nicht mehr da bin und mein Körper muss ebenfalls Lebwohl zum Haus sagen. Das braucht alles Zeit, wissen Sie.”

Nein, das weiß ich nicht. Ich weiß wenig von all dem, hatte bislang kaum Todesfälle in meinem engeren Umfeld. Überhaupt komme ich mir neben Gerda vor, als sei ich fünf und habe noch nie irgendwas von Belang erlebt. Sie hingegen hat zwei Kriege hinter sich, ein geteiltes Deutschland, sie hat zwei Ehemänner überlebt, drei Kinder bekommen, zwei davon leben noch. Sie hat vier Enkelkinder und während ihres gesamten Lebens hatte sie dreiundzwanzig Haustiere, hauptsächlich Katzen.

Herzen zählen runter.

“Fühlen Sie mal meinen Puls.” Ich wende ihre Hand, die immer noch in meiner liegt und lege Zeige- und Mittelfinger an ihre Pulsschlagader. Fast 100 Schläge pro Minute Ruhepuls. “Das Herz beeilt sich, es sprintet zum Ziel”, lacht sie. “Herzen zählen runter”, sage ich. – “Oh, das ist schön, das merke ich mir!”

“Wenn man stirbt”, sagt sie, greift nach meinen Karten, schaut sie an und sortiert sie neu, “dann bremst alles irgendwie ab. Ich bin ein welker Baum. Ich habe keinen Hunger mehr, weil ich nichts mehr schmecke. Nur salzig, das schmecke ich noch. Ist aber kein spannender Geschmack, ehrlich gesagt, also wenn es der Einzige ist. Und ich pinkel nur noch wenig, darf ich Ihnen das sagen? Das mit dem Pinkeln? Ich finde das normal, wir pinkeln alle, aber manche Leute reden nicht so gern darüber. Ich schlafe viel, fast so, als wolle sich der Körper nicht mehr die Mühe machen mit der ganzen Aufwachensache. Wenn man gar nicht erst richtig aufwacht, hat man weniger Arbeit, wieder schlafen zu gehen.” Zwischen den Worten macht sie lange Pause, sie ist erschöpft. Trotzdem hat sie schon wieder gewonnen und ich habe keine Ahnung, wie das passiert ist oder welche Kriterien überhaupt erfüllt sein müssen, um Canasta zu gewinnen.

“Schreiben Sie dann einen Text über mich?”, fragt sie. Wir hören auf zu spielen, sie ist zu müde und ich nicht schlau genug, wie es scheint. “Nein”, sage ich. “Aber wieso denn nicht?” – sie klingt ernsthaft gekränkt. “Aber ist Ihnen das nicht zu persönlich, das Sterben?” – “Ach, Sie können ja meinen Namen ändern. Nennen Sie mich Gerda, der hat mir immer sehr gefallen. Und schließlich machen wir das ja deshalb hier.” – “Das Sterben?” – “Na ich sterbe ja wohl kaum für Sie. Aber das Treffen. Schauen sie ein bisschen zu und dann schreiben Sie darüber. Und dann druckt meine Tochter den Text aus und kann ihn anfassen. Dann kann sie das Sterben anfassen und weiß, dass ich gestorben bin.”

“Vorm Sterben hab ich Angst, hoffentlich tut es nicht weh.”

Plötzlich springt etwas auf meinen Schoß – ich werde von einer rotgetigerten Katze erklommen. “Das ist Felix”, sagt sie, ups, ein Kater, “der Name ist nicht sehr einfallsreich, aber mir gingen einfach die Ideen aus und ein Name ist so gut wie der andere.” Ich streiche dem Tier über den Rücken, wir betrachten uns misstrauisch. Katzen und ich haben ein seltsames Verhältnis zueinander, man weiß nie, wer sich unwohler fühlt, das Tier oder ich.

“Haben Sie einen Mann?”, fragt Gerda. “Nein”, sage ich. – “Einen Freund?” – “Nicht mehr, der ist mir kürzlich abhanden gekommen.” – “Das ist ja seltsam. Eine Frau, die keine Angst vorm Tod hat, sollte man unbedingt heiraten.” – “Aber ich habe Angst vorm Tod, sehr.” – “Und doch stellen Sie sich dieser Angst. Das erfordert Schneid. Menschen, die nie Angst haben, leben nicht richtig. Die sparen die spannenden Dinge aus, es könnte ja was passieren.”

Gerda lehnt sich zurück, schließt die Augen und wir schweigen lange. Ihr Atem rasselt, ab und zu versucht sie, kraftlos zu husten, doch es fällt ihr schwer.

“Nehmen Sie noch einmal meine Hand, so wie eben? Das war schön. Sie sind ganz warm.” Ich nehme ihre zarten Papierhände wieder in meine. “Haben Sie Angst vorm Tod?”, frage ich. “Nicht so sehr wie vorm Sterben. Vorm Sterben habe ich Angst, hoffentlich tut es nicht weh. Auf den Tod freue ich mich eigentlich, dann habe ich endlich meine Ruhe.” – “Glauben Sie an ein Leben danach?” – “Das ändert sich mehrmals am Tag, manchmal ja, manchmal nein. Ich weiß nicht und irgendwie ist es mir nicht so wichtig.” – “Nicht so wichtig?” – “Naja, wenn es keins gibt, merke ich es ja nicht und wenn es eins gibt, dann werde ich es ja merken, oder nicht?”

“Ich wäre jetzt wirklich gerne für Sie gestorben.”

Wieder schweigen wir.

“Ich glaube, heute sterbe ich nicht.” – “Nein.” – “Sind Sie enttäuscht, dass ich nicht gestorben bin?” – “Was, nein!” – “Ich bin schon ein bisschen enttäuscht. Ich wäre jetzt wirklich gerne für Sie gestorben, das hätte mir nichts ausgemacht, ehrlich.” – “Das ist ein seltsamer Satz.” – “Na da wäre ich Ihre erste richtige Tote gewesen, also jetzt außer den kleinen Kindern, die sie fotografieren. Das hätte mich schon ein bisschen stolz gemacht.” – “Wollen Sie etwa um die Wette sterben?” – “Na klar, früher bin ich Pferderennen geritten! Ich muss mich immer messen. Dann wäre ich ihre erste Tote gewesen und vielleicht sogar die Hübscheste, wer weiß!” Ich bin nicht sicher, ob sie sich über mich lustig macht. Sie verzieht keine Miene, das perfekte Pokerface.

“Gerda?” – “Ja?” – “Sind Sie zufrieden mit ihrem Leben gewesen?” – “Ja. Ich habe wirklich alles gemacht, was man so machen kann. Jetzt kommt das Ende. Ich habe ausgelebt, fiesta, Le fin, das war es jetzt. Alles ist gut so, wie es ist.” – “Das freut mich.” – “Ja. Kommen Sie bald noch einmal bei mir vorbei? Dann versuchen wir es nochmal mit dem Sterben.” – “Okay.” – “Okay.”


~ Zum zweiten Treffen kam es nicht mehr. Gerda ist am 07.03.2018 gestorben. Sie ist meine erste Tote. Und ja, auch die Hübscheste. ~


Wenn ihr gut findet, was ich mache, könnt ihr mich unterstützen und mir über Paypal einen Kaffee schenken. Wobei das ein Trick ist, ich vertrage nämlich gar keinen Kaffee. Doch ich gebe viel Geld für Sternenkinder und ihre Familien aus (Fahrtkosten, Material, Porto für die Fotos, etc.), für Workshops, Ausbildungen und Therapie-Materialien. Wenn euch der Content also gefällt, sagt gern hi und tragt etwas zu bei, damit hier alles wachsen und gedeihen und ich mehr Menschen besuchen und mit ihnen sprechen kann. <3 Damit helft ihr mir sehr. Danke!


Newsletter abonnieren:


Foto: Unsplash.com

Über die Autorin

Jasmin Schreiber

Hallo, mein Name ist Jasmin und ich bin Autorin, Illustratorin und Journalistin in Berlin. Früher war ich mal Biologin und bin immer schon fasziniert von den Themen Tod & Sterben. Mittlerweile arbeite ich ehrenamtlich als Fotografin für Sternenkinder und als Sterbebegleiterin und möchte das Tabuthema "Tod" für eine breitere Öffentlichkeit zugänglicher machen!

74 Kommentare

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  • Ein unglaublich liebevoller und anrührender Text. Durch meine Arbeit als Gärtnerin auf einem Friedhof ist der Tod mir sicherlich nicht fremd und doch geht mir diese Geschichte wirklich Nähe. “Herzen zählen runter”, dass werde ich mir auf jeden Fall merken. Danke dafür, ich bin wirklich froh auf diese Seite gestoßen zu sein…

  • Wow, ein Artikel, der mich sehr berührt. Ich hab immer wieder Gänsehaut bekommen und hab jetzt sicher ganz feuchte Augen. Das Gespräch ist inspirierend und es jagt mir einen großen Respekt ein.

  • Oh was für ein wunder wunder schöner Text!!! Wahnsinn, ich muss unbedingt deinem Blog folgen. 🙂 So schön geschrieben dass ich direkt mitfühlen kann und das Gefühl hab, ich war auch dabei, bei eurem Treffen!!

  • Ich glaube auf diese Art und Weise habe ich noch nie über den Tod gelesen. Aber es ist spannend dieses Thema. Was geht in einem Menschen vor der weiß, dass er so weit ist. Das der Zeitpunkt langsam kommt. Aber mich würde auch interessieren wie du dich gefühlt hast. Danach und in dem Moment als du erfahren hast das sie gestorben ist. Ein wundervoller Text. Es sollte viel mehr darüber gesprochen werden. Über den Tod.
    Alles Liebe Dany

  • Ein Text ganz nach meinem Geschmack. Ich habe einige Jahre als Bestatterin gearbeitet und verarbeite die vielfältigen Eindrücke hieraus unter anderem in Geschichten für Kinder. Deinen Blog habe ich gleich abonniert und freu mich schon auf weitere Texte von Dir.
    Liebe Grüße von Oma, die Schreibtante

  • Danke schön! Was für ein wunderschön abgekochter, pathosfreier, essentieller Blick auf das Wesentliche. Natürlich wird Gerda die Erste bleiben, und vielleicht für immer die Hübscheste. Trotzdem hoffe ich, dass ihr viele folgen an deiner Seite, und dass daraus tausende Asche-zu-Asche-Diamanten werden. So das Ziel mitzugestalten und andere – lesend – mit ans Sterbebett zu nehmen, wie du es tust, ist eine ganz große Liebesgabe. Bleib gesund und mutig!

  • Ich bin ganz berührt von dieser Geschichte…
    Was für eine Gelassenheit und, verzeiht das Wort “Coolness” , bekommt man im Alter….
    Wie gelassen man die Dinge sieht… auch den Tod…
    Wie mutig von dir, solche Dinge anzugehen und dich solch einer Persönlichkeit zu stellen…
    Denn, Gerda war und ist eine Persönlichkeit…. das liest man aus diesen wenigen Worten heraus…
    Vielen Dank für diese Zeilen…. es berührt mich tief im Herz…
    “Herzen zählen runter….. ” ja, das tun sie wohl….
    Suse

    • Liebe Susanne,

      danke für den Kommentar! Gerda war wirklich sehr gelassen, aber der Tod hat unendlich viele Facetten. Als Sterbeamme geht es darum. Schmerz zu lindern. Wenn eine junge Mutter an Krebs stirbt oder ein Kind, ist das natürlich was anderes. Sterben hat so viele Facetten wie das Leben und ich will nichts romantisieren, aber eben auch nichts dämonisieren. Ich selbst wünsche mir ebenfalls, einmal so aufgeräumt wie Gerda in den Tod zu gehen.

      Alles Liebe dir!

  • Wow, sehr rührender Text und so ehrlich. Etwas über was man selbst wahrscheinlich im jungen Alter ziemlich wenig nachdenkt.
    Respekt und weiter so!!!

  • Wunderschöner Text zu einem Thema, das sonst verdrängt und im Alltag nichts zu suchen haben soll (besonders bei mir).
    Du hast das Sterben mit einer melancholischen Leichtigkeit beschrieben, was mich sehr nachdenklich gemacht hat. Danke.

  • Das Geschriebene macht nachdenklich. Selber verdränge ich den Tod, spreche nur in unpersönlicher, abstrakter Form über diesen. Trauern fällt mir schwer, selten gibt es Momente die eine, und dann auch nur kurze, innere Auseinandersetzung zulassen. Aber ja, dieser Beitrag hat mich darüber, über den Tod, für einen Augenblick überlegen lassen, über Vergangenes über noch kommendes.

  • Ich musste schmunzeln, staunen und weinen zugleich.
    Schön, dass es auch in der heute sich oft so kalt anfühlenden Zeit und Welt noch sensible Menschen gibt, die anderen ein letztes Geleit geben, ihnen zuhören und das Gefühl geben, in den letzten Stunden nicht alleine zu sein.

  • Ich habe meine liebe Mama vor einem Jahr beim Sterben begleitet. Ich habe die dünne Hand dieser vormals so starken Frau gehalten, habe für sie gesungen, sie geküsst und viel geweint. Nachdem sie gestorben war, habe ich sie gewaschen und ihr ein Tshirt in ihrer Lieblingsfarbe Königsblau angezogen. Sie sah so zerbrechlich aus. Ich werde diese Tage nie vergessen. Sie sind in meine Seele eingebrannt. Ich bin dankbar, dass ich meine Mutter begleiten konnte. Das ist ein unvergleichliches Erlebnis und hat mich als Mensch tief beeindruckt und nachhaltig verändert! Ich vermisse meine Mama an jedem Tag! Vera (42)

  • Liebe Jasmin,

    Danke für Deinen Artikel, ich fand Ihn zufällig bei einer technischen Recherche. Ich glaube das Dich Deine Arbeit reich belohnen wird. Schätzungsweise stehst Du am Anfang Deines zweiten Lebensdrittels, oder kurz davor. Und auch wenn Du noch keinen Verlust erleiden musstest, der Verlust wird kommen. Ich stehe jetzt am Anfang meines dritten Lebensdrittels und ich wünschte mir das ich meine Verluste bewußter wahrgenommen hätte, wenn es soweit ist lass den Verlust zu, aber lass Dich nicht von ihm beherrschen. Es reicht wenn Du ihn bewußt wahrnimmst.
    Es sind unsere Verluste (und unsere Niederlagen), der Tod lieber Menschen, die uns ausmachen und auch wenn wir es uns in der entsprechenden Situation nicht vorstellen können, es hilft uns die Dinge unseres Lebens richtig einzuordnen.
    Du bist auf dem richtigen Weg. Ich habe geweint als ich Deinen Artikel gelesen habe, nicht weil ich den Tod traurig finde, sondern weil Du die richtigen Worte gefunden hast. Damit hast Du eine seltene Gabe.
    Nutze sie, es bedeutet anderen Menschen viel und deswegen ist es so wertvoll.

    PS: Als Techniker in der IT empfehle ich Dir, mache Dich mit der DSVGO vertraut, die betrifft Dich weil Du Personen bezogene Daten erhebst und verarbeitest. Das Thema ist blöd und keiner hat Lust darauf, aber Geld für eine Abmahnung bezahlen zu müssen, ist noch blöder.
    Ich spende im Internet grundsätzlich nicht, aber bei Dir mache ich da sehr gerne eine Ausnahme. Bitte nimm von meiner Spende einen kleinen Teil 1,50€ für den Erwerb eines Artikels der Dir viel Ärger ersparen kann. Hier der Link der Dir mehr Informationen liefert https://www.heise.de/ct/ausgabe/2018-5-Das-neue-Datenschutzrecht-fuer-Website-Betreiber-3965485.html?wt_mc=print.ct.2018.05.104#zsdb-article-links
    Und nein, ich habe nichts mit dem Heise Verlag zu schaffen.
    Sehr gute Arbeit von Dir, Danke dafür, das ist selten.

    Liebe Grüße
    Jörg

    • Hallo Jörg, danke für den Hinweis! Mein Anwalt und ich arbeiten daran, dass ich bis Mai auch die letzten Lücken geschlossen habe, die dann brenzlig werden (und mit bis Mai meine ich = im März omg :D). Alles Liebe dir und danke, danke, danke.

  • liebe Jasmin,ich möchte Dich umarmen,im Namen aller,denen Du Deine Herzenswärme im Winter ihres Lebens schenkst. Keiner möchte allein und einsam sterben.Auch ich habe eine Ausbildung (Schulung) als Sterbebegleitung gemacht aber leider konnte ich die Praxis nicht ausfuehren,weil ich zu sensibel bin,ich konnte nicht abschalten hab die Trauer mit nach Hause genommen.Seit ca 8 Jahren bin ich bei der Diakonie ehrenamtlich als Alltagsbegleiterin tätig und freue mich kranken und gebrechlichen Menschen helfen zu duerfen beim Einkaufen,Arzubesuchen Spaziergängen oder einfach nur was vorlesen oder reden. Es entstanden sogar Freundschaften,es waren kluge Menschen dabei,die mir sehr ans Herz gewachsen sind,von denen auch ich noch viel lernen konnte.Ich habe sie begleitet bis zum Schluß,bin ins Krankenhaus gegangen oder ins Pflegeheim, nur…. beim Sterben war ich nicht dabei. Das Letztemal ihre Hand halten,das tun Menschen wie Du,dafuer bewundere ich Dich sehr. Danke. daß Du diese Kraft aufbringen kannst. lieben Gruß von Chris

  • … schöner Zeitzeuge, es war wundervoll zu lesen. Thankz. Und Gerda hat es geschafft. Sie ist frei.

    Ich wurde schon sehr früh mit dem uns immer begleitenden Tod konfrontiert, [mittlerweile sind es weit über 10 wertvolle Seelen – ältere, verstorbene Familienmitglieder nicht dazu gezählt].
    Ich kenne den Tod in seinen vielen Facetten und habe daher eine Ansichstweise, die in der Gesellschaft eher nicht der Norm entspricht.

    Unseren Kinder erzähle ich von Anfang an, daß seit der Geburt nichts sicherer ist als der Tod. Ob jemand 1 Sekunde oder 120 Jahre, oder mehr auf diesem Planeten verweilt ist dabei nicht von Bedeutung. Das wir essen, wachsen, gesund sind oder kränkeln, uns bilden, verlieben, vermehren, wohlhabend oder ärmlich leben… … ist alles ungewiss.
    Nur das wir wieder gehen werden steht seit Stunde Null fest. Ich erzähle Ihnen, daß es nichts gibt, was sie fürchten müßen.

    Unsere Kinder verstehen meine Erzählungen. Mit dem Bewußtsein, daß alles irdische/materielle vergänglich ist geht man ein wenig sensibler mit seiner Seele um. (und dies nicht im religiösen Sinne gemeint).

    Nochmals Danke für die schönen Zeugen der Zeit die Du mit Gerda verbracht hast. Und ob Canasta, Kartoffeln schälen, auf der Parkbank sitzen oder was auch immer … wichtig ist, daß man sich austauscht und………. zuhört.

    One Love

  • Ich habe eine Zeitlang für einen ambulanten Pflegedienst Betreuungen gemacht und da traf ich auf eine alte Dame, Maria, die ganz ähnlich tickte wie Gerda. Sie wartete auch auf den Tod, nicht ungeduldig, aber sie hatte das Gefühl, ihr Leben gelebt zu haben… Ich habe die Gespräche mit ihr sehr genossen und oft war ich den Tränen nah, wenn sie über den Tod sprach und sie musste mich dann trösten… verrückt. Auch Marias Hände waren wie dünnes Papier, weich und warm.
    Leider habe ich nach einigen Monaten die Stelle gewechselt und weiß nicht, ob sie noch lebt.

  • Und auf einmal sitzt man da und weint um jemanden, den man gar nicht kannte; aber vielleicht gerne kennengelernt hätte, wäre man nur an minimal anderer Stelle ins Raum-Zeit-Gefüge geplumpst.

    Dein Wortportrait von Gerda jedenfalls hat mich sehr berührt. Es hat mich aber auch schmunzeln lassen und mir vielleicht sogar auf meine alten jungen – nicht zu verwechseln mit jungen alten – Tage ein wenig Weisheit vermittelt. Da ist es im Nachhinein doch fast so als hätte ich, dank deines Artikels, tatsächlich ein paar flüchtige Augenblicke in Gerdas Gegenwart verbringen dürfen. Danke.

  • Wenn ich irgendwann sterbe, möchte ich einen Menschen wie Dich an meiner Seite haben (und an der Seite meiner Tochter, die sonst mit allem alleine zurecht kommen muss).
    Danke für alles, was du hier schreibst!

  • SEHR gut, dass Du diesen Text geschrieben hast und ihn publizieren konntest. (Ob jedes Wort authentisch ist, da habe ich leichte Zweifel, aber das ist mein Problem und spielt insgesamt keine Rolle!)
    Ich (Arzt) habe auch eine Text über den Umgang mit dem Sterben. Der sprengt den Rahmen eines Kommentars, aber ich würde ihn Dir gern zugänglich machen. [Telefonnummer entfernt aus Datenschutzgründen]

  • STERBEN ÜBEN! Ja, wir sollten uns unbedingt mit der Vergänglichkeit und dem eigenen Sterben, aber auch dem aller anderen Lebewesen, befassen. Je früher desto besser! Es ist trügerisch zu denken, ich sterbe heute nicht; aber es ist mit Weisheit zu denken ‘Ich könnte heute sterben.’ Unser Leben bekommt Bedeutung, wenn wir uns gut vorbereiten. ‘Ich könnte HEUTE sterben.’ ‘ICH könnte heute sterben.’ ‘Ich KÖNNTE heute sterben.’ Diesen Satz in grosser Stille 20, 30, 50, 100… x vertrauensvoll wiederholen verändert unseren Geist und wir verlieren alle Ängste. Mit Liebe und Mitgefühl. Gyaltsen (Ich bin ein Kadampa-Mönch. Meilen, Schweiz) Wundervolles Erlebnis, Jasmin, deine liebenden Worte zu lesen; danke!

  • Sie erinnert mich an meine Oma Gerda. Sie hat ihren tot genauso herbeigesehnt. Es ist jetzt 2 Jahre bald her und ich fühle noch immer unendlichen Schmerz.

  • Der Text ist wunderschön und ich habe mich sofort angesprochen gefühlt. Meine Mama ist ebenfalls am 7.3.2018 verstorben. Sie war genau wie Gerda. Sie war eine starke Persönlichkeit und als sie starb, war sie mit sich und der Welt im Reinen. Ich durfte sie auf ihrem letzten Weg begleiten. Eine ganz intensive und kostbare Zeit, die ich nicht missen möchte.
    Am Ende des Regenbogens sehen wir uns wieder Mama.

  • Der Text ist sehr ehrlich. Schade, dass Du beim Sterben nicht dabei gewesen bist. das ist noch einmal anders. Im Iran kommen alle zusammen. Da stirbt man nicht alleine. Und weil eben alle kommen, sind die Lebenden auch nicht alleine. Der Tod wird nicht in eine Ecke gestellt….und das hat etwas Beruhigendes an sich.
    Vor einigen Jahren hatte ich einen sehr schlimmen Unfall. Eine Zeit lang war ich zwischen den Welten und ich habe das gespürt. Aber ich habe keine Angst gehabt. DAs hat mich nachher, als ich genesen war, sehr erleichtert. Vorher hatte ich sehr große Angst vor’m Sterben. DAs weiß ich jetzt, diese Angst muss man nicht haben. Und diese Erfahrung gebe ich gerne weiter….damit sich die Angst vor dem Sterben verliert.

  • Leichen habe ich schon gesehen, auch abgefasst. Der Tod lässt in der Tat nur eine leblose organische Gestalt übrig. Der Mensch, den man kannte und in diesem Körper lebt ist radikal komplett aus dem Körper verschwunden. Alle Erinnerung, alle Persönlichkeitsmerkmale, aber Geist absolut radikal verschwunden. Wohin ? Der Mensch ist nicht ausschließlich ein materielles Wesen, sondern hat einen immateriellen Anteil, der die Materie dominiert.
    Das Christentum lebt von der Auferstehungshoffnung.
    Im Universum wird nichts verschwendet. Der tote Leichnam wird von der Natur wiederverwertet genau wie eine sterbende Sonne, die in einer Nova vergeht und deren Materie benutzt wird, um Neues zu erschaffen. Der geistige immaterielle Anteil des Menschen wird ebenfalls nicht verschwendet, sondern tritt aus dieser uns bekannten Realität für immer hinaus in eine andere Wirklichkeit.

  • Hach, was für ein feiner Text….nein, feine Texte soll es heissen. Alle ein Lesegenuss!
    Und soooo ein wichtiger Beitrag, um das Sterben wieder salonfähig zu machen, als einen normalen Prozess zu etablieren.
    Unangenehm, schmerzhaft, stinkend – aber normal. Es ist mir ein Anliegen, dass möglichst viele Menschen möglichst angstfrei diesen (für unser hiesiges Bewusstsein) einmaligen Weg gehen dürfen. Und begleitet werden, falls sie es wünschen.
    Schön zu lesen, dass ich mit diesem Wunsch offenbar nicht alleine bin, danke für diesen Blog!
    Ist abonniert, wird gestalkt und geteilt!

  • Danke für den berührenden Text! – Sterben ist wie Wände, die um einen drumherum immer weiter zusammenschrumpfen, drumherum ist nichts mehr, es wird immer stiller, bis wirklich die Welt nur noch aus einem einzigen, winzigen Punkt besteht. Schön ist das falsche Wort, aber jedenfalls schwierig ist es nicht. Ich war dort (die Umstände sind nicht relevant, es war ein bewusstes Wiedererleben von etwas, das ich schon einmal erlebt habe), und habe mich entschieden zurückzukommen. Seitdem bin ich völlig überwältigt: ich habe überlebt, ich lebe!!!

  • Hallo und danke für den wunderschönen Text.

    @Le Cannet: Wenn man aufmerksam liest, erkennt man, wie alt Gerda gewesen sein muss. Und ob es letztlich 102 oder 107 Jahre waren, ist doch eigentlich nicht wichtig.

    Liebe Grüße

  • Wahrhaft erwachsene Menschen haben keine Angst vor dem Tod – und auch vor dem Leben nicht.
    Wahrhaft erwachsen gewordene Menschen (regelhaft in der Pubertät zu erarbeiten) erkennen sich als unsterbliche Seele, als Teil Gottes und des Lebens an sich.
    “Leben stirbt nicht. Leben LEBT!”

    Das Problem der modernen Gesellschaft / Welt ist, daß die allermeisten Menschen der “zivilisierten Gesellschaft” nicht mehr wahrhaft erwachsen werden. Das ist ein wesentlicher Aspekt der “Krankheit der Gesellschaft”, der “kollektiven Neurose”, wie sie in der Soziologie heißt. Es ist die schlimmste aller Krankheiten und die wesentliche Ursache der “Zivilisation” und des drohenden Untergangs.
    Grundlegende Heilung ist in jedem Einzelfall prinzipiell möglich – und zwar auf dem ganz natürlichen Weg: durch den Bewußtseins-Wechsel / -Wandel (der regelhaft in der Pubertät durchzuführen wäre.

  • Liebe Jasmin,
    was für eine wundervolle, mitfühlende und so wichtige Arbeit, die Du da machst. ‘Keiner kommt hier lebend raus…!’ und so wenige kennen sich zumindest etwas damit aus. Wie schön, dass Du begleitest.

    Den letzten Schritt dann aber geht jeder allein. Doch wenn bis dahin jemand da ist, der keine Berührungsängste hat und ein offenes Ohr für was auch immer kommen mag auf diesem letzten Stück des Weges, dann ist das ein großes Geschenk.
    DANKE!
    ♥️liche Grüße
    Frank

  • Ein wunderbares Text, dafür Danke ich dir! Ich bin der Meinung, dass das Sterben und der Tod in unserer Gesellschaft viel zu sehr tabuisiert wird. Wie werden geboren…und wir werden sterben….aber darüber spricht man nicht!
    Bis vor kurzem war ich der Meinung, keine Angst vor dem Sterben zu haben…aber ich wurde eines Besseren belehrt! Meine 17-jährige Tochter ist an Krebs erkrankt, und da rückt der Gedanke ans Sterben plötzlich sehr nahe…..es ist für mich etwas anderes, ob ich sterbe….oder mein Kind!
    Ich wünsche allen Menschen, in der Gewissheit zu sterben, ihr Leben zufriedenstellend gelebt zu haben!
    Liebe Grüße
    Birgit

    • Liebe Birgit! Danke, dass du deine Geschichte hier teilst. Es tut mir sehr leid, dass “ihr” jetzt an Krebs erkrankt seid. Ich sage “ihr”, weil ja nicht nur das Kind erkrankt, sondern die ganze Familie mit. Ich wünsche euch viel Kraft und ein tolles Ärzte- und Seelsorgeteam, um die harte Zeit durchzustehen! <3

  • Wunderschön geschrieben. Ich habe meine Mutti auch fertig gemacht, als sie eingeschlafen is. Ich hatte es ihr versprochen. Gewaschen und ihr Lieblingsnachthemd angezogen. Eine Jahr später das selbe bei meinem Vati.😓

  • Wie schön.
    Ich treffe im Hospiz immer wieder auf Menschen, die so pragmatisch und unpathetisch auf ihr Leben zurückblicken. Welch ein Geschenk.
    Meiner Clownsfigur Trine bleiben sie bei ihrer naiven Fragerei meist keine Antwort schuldig. Und haben die besten Tips für die großen Fragen des Lebens – die Liebe und die Zugehörigkeit.
    Danke für Dein Aufnotieren der Weisheit von Gerda…

  • Liebe Jasmin,
    dein Text ist so voller Wärme und Liebe. So wunderschön geschrieben und hat mich so berührt. Mein Vater ist sehr jung gestorben und ich habe versucht ihn zu begleiten. Doch er war noch nicht so weit so darüber zu sprechen. Das Leben war vielleicht auch etwas zu kurz. Ich stelle mir gerne vor, dass auch wenn er nicht so darüber gesprochen hat wie Gerda, er doch so dachte.
    Danke dir.

  • Wenn man älter wird und sich dem Gedanken an den näher rückenden Tod allmählich stellt, sind solche Texte wie deiner so hilfreich und wichtig!
    Auch wenn wir alle nicht wissen können, wie unser eigener Tod sein wird, bin ich fest davon überzeugt, dass gute Gedanken und der klare Wunsch einen guten Tod zu “bekommen”, dazu beitragen kann, dass wir in Frieden sterben können.

  • Liebe Jasmin, von Herzen danke, dass Sie uns auf diese Weise an Ihrer Begegnung mit der wunderbaren Frau Gerda teilhaben lassen. Eine Begegnung zweier mutiger Frauen!
    Im Traum bin ich schon einige Male gestorben, in einem Traum war mein Gedanke bevor es zu Ende ging: “danke, es war schön” Ganz ohne Angst, ganz ruhig, ganz ohne Bedauern oder Wehmut, einfach nur “danke, es war schön”, aber das aus ganzer Seele empfunden. Diesen Frieden hatte wohl auch Frau Gerda in sich. ich wünsch ihn uns allen, dann, wenn es soweit ist.
    Herzlichst, Karin

  • Liebe Jasmin-
    in achtsamer Vorsicht- und mit viel Respekt- vor dem, was wir ” NOCH NICHT WISSEN, ” las ich diesen Text…Hab ‘ vielen herzlichen DANK!!!
    Parallel- fühlte ich alles Mögliche in mir- und spürte vor allem eine leichte ängstliche Heiterkeit…
    Eine Heiterkeit, die mir, inzwischen fast 70 Jahre jung, etwas LICHT – auf das Bevorstehende werfen konnte- und so Gott damit einverstanden ist, wie z.B.meinen Geist bis zum Ende voll warhrnehmen zu dürfen- werde ich an diese wundervoll, berührende ” GERDA-Erzählung ” denken wollen…
    In DANKBARKEIT
    A-M.